Evelyn Windisch

Zukunft landeskirchlicher Gemeinden

Kirche W&uuml;renlos <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Evelyn&nbsp;Windisch)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-wuerenlos.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>125</div><div class='bid' style='display:none;'>2805</div><div class='usr' style='display:none;'>7</div>

Das Würenloser Rosenfeld und die freie Sicht auf die Kirche
Timothy Cooke, Pfarrer,
Der Lausanner Religionssoziologe Prof. Jörg Stolz hat in seinem vielbeachteten Buch «Die Zukunft der Reformierten» (TVZ-Verlag, 2010) analysiert, dass die Reformierten künftig «älter, ärmer und weniger» sein würden.
Seine damalige These ist für die allermeisten reformierten Kantonalkirchen und Kirchgemeinden leider Realität geworden. In den letzten 50 Jahren ist die Mitgliederzahl der reformierten Landeskirche Schweiz von 49% (1970) auf 25% (2020) geschrumpft - ein Verlust von 1.6 Millionen Reformierten!
Im Aargau waren es nur in den letzten 10 Jahren 15 % Mitgliederverlust: Von 183,000 auf 157,000! In unserer Kirchgemeinde verloren wir in 10 Jahren 10% der Mitglieder, trotz vielen neuen Wohnungen.
Heute sind wir noch knapp unter 1500 Reformierte in Würenlos.

Schwarzmalerei? Nein!
Die Rechnung ist einfach: Weniger Mitglieder bedeutet weniger Einnahmen – die Landeskirche rechnet mit einem jährlichen Kirchensteuerverlust von 2%, was für die Gemeinden schliesslich in einen schmerzhaften Abbau des kirchlichen Angebotes mündet. Verkauf von Pfrundgut und Liegenschaften (Beispiel Wettingen-Neuenhof) oder Fusionierungen von Nachbargemeinden könnten die Folge sein.
Das sind keine düsteren Szenarien, sondern ist bereits sich entwickelnde Realität. Dem blickt die Kirchenpflege Würenlos seit längerem ins Auge! So wurde öffentlich zwischen September und November d.J. an einem Informationsabend und an zwei Kirchgemeindeversammlungen darüber diskutiert, die aktuelle Baubeschränkung des Grundstücks «Rosenfeld» zwischen Kirche und Schulstrasse aufzuheben (Umzonung) – allein mit dem Ziel, im Rahmen eines möglichen Baurechtsvertrags jährliche Einnahmen von rund CHF 165‘000 zu generieren. Nicht ohne Zustimmung und Mitwirkung der Kirchgemeinde, der Wohngemeinde und des Kirchenrates könnte somit ein geeignetes Bauprojekt eine Massnahme von mehreren sein, die finanziellen Ressourcen unserer Kirchgemeinde ab 2028 für die Zukunft zu sichern.
Es kam anders: Nach einer lebhaften Diskussion der gut besuchten Kirchgemeindeversammlung vom 24.11.2020 wurde das Vorhaben der Kirchenpflege mit einem Ergebnis von 30 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Mehrere Kirchenmitglieder wiesen auf die Gabe des Rosenfeldes im letzten Jahrhundert hin unter der Bedingung, dass eine freie Sicht auf die Kirche unbedingt erhalten werden müsse. Eine Veräusserung der Landreserve «Rosenfeld» sei eine zu wenig nachhaltige Lösung. Die Kirche müsse eben generell sparen – wie überall, u.U. mit Stellenabbau.
Eine Nutzung des Rosenfeldes im Baurecht ist nun also abgelehnt worden. In unserer Kirchgemeinde werden vermehrt schmerzhafte Sparmassnahmen und Stellenreduktionen zur Diskussion stehen, die wir als eine Folge dieses Entscheids der Kirchgemeindeversammlung ansehen müssen.

Vision für die Kirche: Ja!
Die Frage stellt sich, ob wir als Kirchgemeindemitglieder vermehrt aktiv werden und auf Menschen zugehen und unsere menschlichen Ressourcen einsetzen wollen, als nur zu sparen.
Wir überlegen uns intensiv Möglichkeiten zur Innovation, denn sonst haben wir langfristig nur ein leeres Gebäude, in dem wenige Taufen, wenige Hochzeiten und etliche Beerdigungen stattfinden werden. Aber wir sind überzeugt von der Rolle der Kirche und ihren wert-prägenden Angeboten für die Gesellschaft. Deshalb könnten wir beginnen, aus unserer Reserve herauszutreten und für unseren Glauben und unsere Kirchgemeinde einzustehen und dafür einzuladen. Wir können also nicht still bleiben, sondern wollen ein bisschen ein Feuer der Begeisterung entfachen. Wir alle zusammen können das schaffen, wenn wir aktivere Kirchenmitglieder werden und dazu unsere Ideen austauschen. Das gibt auch uns Schwung und Freude am Glauben und an unserer Kirche, deren Turm weitherum sichtbar ist – nur füllen möchten wir die Kirche etwas mehr. Ein Votum der Kirchgemeindeversammlung war, dass es vor allem um innere Werte geht, nicht um ein Gebäude – und unsere inneren Werte lassen sich sehen, wenn wir sie zeigen. Daran arbeiten wir als Kirche.

Pfr. Dr. Timothy Cooke
und die Kirchenpflege Würenlos
Bereitgestellt: 04.01.2021     Besuche: 25 Monat 
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